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Magdalena Putzer
BARF-Ernährungsberatung

Blog

Veröffentlich am 14.02.2017

Fertig-BARF - was steckt dahinter?

Fertig-BARF…. BARF-Menüs…. Komplett-BARF-Mahlzeiten

Egal wie genau benannt, die All-in-One Wunderwaffen für den Rohfütterer sind momentan in fast jedem Geschäft oder Onlineshop zu finden.

Gerade für BARF-Anfänger eine nahezu himmlisch klingende Alternative zum eigens zusammengestellten Menü für Hund oder Katz‘. Denn wenn wir ehrlich sind, ist jeder BARF Neuling nach kurzer Zeit der Recherche in Versuchung, die Idee auf Fertigfutter zu verzichten, über Bord zu werfen. Es klingt kompliziert, man muss so Vieles beachten und eigentlich war Dose aufmachen viel einfacher. Dann aber stößt der bemühte Tierbesitzer auf die augenscheinlich optimale Lösung für Vier- und Zweibeiner: FertigBARF! Frisch und gesund aber unkompliziert für den Menschen.

Tja, wenn das mal alles so einfach wäre!

Grundsätzlich spricht nichts dagegen eine Mischung zu verfüttern– jedoch muss man sich bewusst machen dass BARF ein Modell der Rohfütterung ist. Nämlich jenes Modell, welches sich am Beutetier und ebenso am natürlichen Lebensumfeld von Caniden und Feliden orientiert. Ist so ein Fertig“BARF“Menü aber dem nicht entsprechend so ist es eigentlich nicht korrekt, und unfair dem Käufer gegenüber, es BARF zu nennen.

Als Hauptmotivation meiner Kunden nach dem BARF Konzept zu füttern erfahre ich meist „Ich will wissen was ich füttere!“ – wer sich also für BARF-Mischungen entscheidet sollte auch hier streng kontrollieren ob er/sie wirklich mehr erfährt als von einer Dose/ einem Trockenfutter.

Steht z.B. nur Lamm (Fleisch, Pansen, Innereien) auf der Verpackung ist es nicht ersichtlich wie viel von welcher Komponente enthalten ist.
Häufig ist „Gemüse“ angeführt, anstatt einer genauen Aufzählung welche Sorten enthalten sind. Sollten die einzelnen Obst und Gemüsesorten doch genau aufgezählt sein erkennt man bei der Addition der Mengen oft ein Überangebot an pflanzlichen Bestandteilen. Ballaststoffe sind wichtig, zu hohe Mengen führen aber zu sehr großen Kotmengen und haben in einer FertigBARF-Ration die nach Gramm verfüttert wird den Effekt, dass zu wenig benötigte tierische Komponenten verfüttert werden.

Ebenso unklar wird es häufig bei „Öle“ und „Kräuter“. Es gibt deutlich mehr unpassende Öle für Hunde und Katzen als passende. Wir füttern Öl um die nicht optimale Fettsäurenzusammensetzung der Schlachttiere auszugleichen, indem wir Omega-3-Fettsäuren-lastige Öle der Ration hinzufügen. Maiskeimöl  oder Sonnenblumenöl sind, wie weitere Öle, völlig ungeeignet dafür.

Viele Kräuter wirken als Heilkräuter und sind nicht zur regelmäßigen Verfütterung geeignet. Ebenso verhält es sich mit Supplementen wie z.B. Seealgenmehl – achten Sie auf die genaue Dosierung, ein Überangebot schadet Ihrem Vierbeiner!

Innereien: eine so wichtige und doch oft unterschätze Zutat. Ich ertappe mich immer wieder beim Plädoyer für Innereien – da schmerzt es mich zu sehen wie häufig ganz falsche Mengenverhältnisse verfüttert werden. Auch hier nochmal der Denkanstoß in Richtung „Beutetier“. Wer sich über die Größenverhältnisse der Organe zueinander informiert wird rasch merken, dass viele Menüs nicht optimal versorgen. Mein Hauptaugenmerk liegt auf der ausreichenden Versorgung mit Leber, Niere und Milz. Manchmal mag der %-Gehalt an Innereien in der Gesamtration also stimmen, die Zusammensetzung ist aber völlig verkehrt.

Die Hauptkomponente in einer durchdachten BARF Ernährung ist Muskelfleisch. Hochwertiges, fettiges Muskelfleisch. Keine Sehnen, Hoden, Lunge etc. (die den entsprechenden Proteingehalt in der Produktbeschreibung oft ausmachen – Protein bedeutet nämlich nicht zwangsläufig dass es sich um gut/hochverdauliches Protein handelt). In geringen Mengen sind diese Bestandteile ok, nicht jedoch als Hauptproteinquelle. Leider wird auch hier häufig zum vergleichsweise billigen Schlundfleisch gegriffen- ein für den regelmäßigen Verzehr völlig ungeeignetes Fleisch da es die Schilddrüse des Schlachttieres enthält und zu einer Hyperthyreose beim Hund/der Katze führt/führen kann. Aus diesem Grund sollte auch der Kehlkopf nicht als regelmäßige Knorpelration verfüttert werden.

Generell ist Knorpel nicht mit Knochen gleich zu setzen. Er enthält wesentlich weniger Kalzium – es müssten absurd große Mengen verfüttert werden um den Bedarf zu decken. Nicht alle Knochen sind gleich zusammengesetzt. Ein weicher Knochen wie z.B. Hühnerflügel ist nicht mit einem Kalbsbrustbein gleichzusetzen. Der Mineralstoffgehalt variiert. Ebenso muss bei der Deklaration klar zwischen blankem Knochen und „RFK“ also rohem fleischigen Knochen unterschieden werden. Bei der Bewertung einer FertigBARFMischung muss also auch dieser Aspekt begutachtet werden.

Zu beachten gilt auch ein ausreichender Fettanteil. Eine Kohlehydratquelle ist nach Verträglichkeit in geringem Ausmaß vor allem für den Hund durchaus vertretbar, als Hauptenergiequelle jedoch nicht zu empfehlen. Bei vielen Fertigmischungen ist es nötig extra Fett zu füttern.

Ist, wie sehr oft das Menü fein gewolft, geradezu püriert, so ist es für den Konsumenten unmöglich zu erkennen was hier verarbeitet wurde. Neben diesem Störfaktor für mein Empfinden „zu wissen was ich füttere“ ist es auch für den gesunden tierischen Verdauungstrakt von Vorteil größere Stücke zugeführt zu bekommen.

 

Zusammengefasst kann man also sagen, dass auch beim Fertigmenü einiges zu beachten ist und man trotzdem oft nicht genau erkennen kann was im Napf landet.

 

 

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